Sonntag, 16. Juni 2013

Superman braucht ein bisschen Camp

Der Stählerne kehrt in die Kinos zurück. Am 20. Juni startet „Man of Steel“. Wer sich dahinter verbirgt? Ein Held, dessen Name sich die Produzenten gar nicht mehr in den Titel zu schreiben durften, klingt er doch gar zu albern: Superman. Ein Mann der einfach super, dem Normalo überlegen ist – so einfach, so pupertär, so bekannt und beliebt. Nur im Kino funktioniert er nicht so richtig. Eigentlich nur in den eineinhalb Superman-Filmen von Richard Donner. Der Reboot sieht in den Trailern recht vielversprechend aus. Wie war das denn mit dem Film, der uns bisher den definitiven Superman geliefert hat? War er wirklich gut?




Der Traum vom Fliegen

„You will believe, a man can fly“ war die Werbeschlagzeile des Films, der noch so heißen durfte wi sein Held: Superman von 1978. Das mit dem Fliegen war tatsächlich einer der größten Herausforderungen, den bis dato hatte es noch keine überzeugenden Spezialeffekte in dieser Richtung gegeben. Ähnlich wie „Star Wars“ eine ganze Menge Budgets auf Experimente mit Raumschiffmodellen verpulvern sollte, bevor sie eine Möglichkeit fanden, sie zu finden, musste das „Superman“-Team eine Menge irrer Ideen testen – bei einer wurde eine Superman-Puppe aus einer Kanone – geschossen, bis sie bei dem ankamen, wozu heute jeder sagt „D'uh … was denn sonst?“: Der Schauspieler hing an Fäden, bewegte sich wie beim Paraglidung und der Hintergrund wurde eingefügt (schon mit dem „Chroma Key“-Verfahren, also dem berühmten Blue-Screen, möglicherweise kam beim ersten Film auch noch die gute alte Rückpro zum Einsatz). Tja, Kinder, so war das vor der Zeit des Computers, als wir nichts hatten …

Jesus, der Superzimmermann

Ich reite deswegen auf den Spezialeffekten herum, weil sie auch Regisseur Richard Donner am Herz lagen. Nicht nur, um ein Effektfeuerwerk abzubrennen, sondern weil sie zu dem gehörten, was er „verisimilitude“ nannte. Ein Transparent mit dem Wort hing auch in den Studios während des Drehs. Superman, diese unwahrscheinliche Figur, sollte mit möglichst großer Plausibilität verfilmt werden. Beim Fliegen musste er also eine gute Figur machen, seine „Fortress of Solitude“ und sein Heimatplanet Krypton waren kleine Meisterwerke des Matt-Paintings, und Superman wurde als menschenähnliche Figur mit echten Emotionen behandelt. Der Letzte Sohn Kryptons hatte 1978 nämlih schon 40 Jahre Entwicklung auf dem Buckel und einiges an Ballast an den Fersen. Aus dem Übermenschen, der zunächst nicht fliegen, nur hoch springen konnte, wurde je nach Autor ein wandelndes Arsenal an Superkräften (ähnlich wie „Batman“ zu einem wandelnden Arsenal an gagdets wie dem Hai-Abwehr-Spray, wurde). „Superman IV“ fiel später genau dieser Sünde zum Opfer: In dem Film repariert Supes die chinesische Mauer mit seiner eher wenig bekannten Superkraft, dem Super-Maurer-Blick. Kein Wunder, dass bei „South Park“ Jesus über die Superzimmermannskraft sehr schnell Holzgerüste zu errichten verfügt.

“Verisimilitude“ vs „Dark and Gritty“

„Verisimilitude“ lässt sich mit „World Building“ vergleichen, ws zum einen weniger i's hat, die man alle an die richtie Stelle sortieren kann und anders als das Nation Buildung sogar funktioniert: Man legt für die fiktive Welt seiner fiktiven Figuren Regeln und Grenzen fest und hält sich dann daran.
Der Ansatz ist nicht mit dem angeblich realistischeren identisch, den die siet den 90ern beliebte „Grim and gritty reboot“-Trend begleitet. „Superman“ war 1978 ziemlich campy. Der Film ist familienfreundlich, auch wenn ein nacktes Kind drin vorkommt, was wohl bei heutigen amerikanischen Zensoren eine Einstufung über 18 einbringen könnte … Es ist nur so mit Superman: Camp gehört zu seiner Figur dazu. Was der Donner-Film schaffte: Er nahm die Figur ernst, reduzierte das Lächerliche, ließ ihm aber dessen Charme. Ähnliches schaffte Tim Burton mit seinem „Batman“. In eine ganz andere Richtung gin Christian Bale mit seiner Batman-Trilogie. „The Dark Knight Rises“ ist daher ein überlanger Film, der sich meiner Meinung nach fragen lassen muss, warum darin überhaupt Batman vorkommt. Das Gelaber über Chaos und Ungerechtigkeit hätten auch unmaskierte Figuren (verständlicher) führen können. Bei „Superman Returns“ ging das ganze dann schief: Zum einen sahen die Schauspieler zu jung aus, zum anderen hatten ihre Figuren neben den üblichen Supermanaktionen wie Herumfliegen und Unbeeindruckt-im-Kugelhagel-Stehen kein wirkliches Leben. Superman, der Heilsbringer aus den späten 30ern ist ungeheuer schwer zu verfilmen.

Wie hält sich der Stählerne von 1978?

Lohnt es sich, den Film von 1978 anzusehen? Aus Filmhistorie schon mal ja. Als Film an und für sich, hui … Der Vorspann geht vier Minuten. Marlon Brando als Jor-El liefert seinen text ohne Verve ab, als sei er nur da, um seinen Scheck abzuholen (was er auch war. Die Macher wollten zwei große Namen, damit die Zuschauer gleich wissen, dass dies ein ernstzunhemender Film sei und Brando wollte einen Scheck. Seinen Text hat er angeblich nie gelernt sondern von Requisieten abglesen, auf die er geschrieben wurde). Dass Superman angeblich nicht schnell genug ist, um zwei Raketen auf einmal zu stoppen, dann aber so schnell fliegt, dass die Zeit rückwärts läuft ist so ein klitzekleiner Logikfehler, mit dem der ganze Schluss zusammenbricht … Doch trotz all dieser Wunderlichkeiten ist der Film schön und lustig anzusehen. Und der Flug durch den Weltraum, der aus Großaufnahmen von Einzellern montiert wurde ist dank der Musik von John Williams mitreißender als der von Ligeti György begleitete Farbenkorridor aus „2001 – Odyssee im Weltraum“. Also wenn schon campy Superman, dann dieser.

Hier noch ein schönes Making Of von "Superman 1978"

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