Schatz, die Welt geht schon wieder unter ...
Der dritte Trailer zu "Star Trek into Darkness" macht erfreulicherweise Schluss mit dem Geraune, das bei den anderen Trailern im Hintergrund lief. Endlich keine Sprüche aus der nordkoreanischen Glückskeksspruchfabrik ("You think, your world is safe ...") mehr. Kirk macht im Drang nach Vergeltung den Fehler, den bösen Feind ganz allein stellen zu wollen - und sieht sich plötzlich einem riesigen Riesenschiff gegenüber. Hätten wir eine bayerische Synchronisation, würde er, statt "I'm sorry" zu sagen, sich bei der Crew mit einem „Öha“ entschuldigen. Ansonsten das Übliche: "This Means War", "Darkness Is Coming" (nein, nicht „Winter“), "We are outgunned ...". "Star Trek Into Darkness" sieht ziemklich so aus wie "Star Trek" 2009 nur mehr davon. Auch da ging's um Rache und das Ende der Welt. Es geht eigentlich zur Zeit immer um Rache und das Ende der WeltZeitreisende Irre und denkende Wolken
In „Star Trek“ (2009) will ein zeitreisender Irrer die Planeten Vulkan und Erde auslöschen, denn er macht die Vulkanier und die Föderation für die Zerstörung seiner Heimatwelt verantwortlich. Glücklicherweise gibt es einen jungen, rebellischen Helden namens James Kirk (Christopher Pine), Schrecken der Sternenflottenausbilder, Jäger der Rekrutinnenhöschen. Er freundet sich mit dem ihm bisher verhassten temporären Kommandanten der Enterprise, einem Vorschriften liebenden Vulkanier namens Spock (Zachary Quinto) an, und als ungleiches Duo besiegen sie den Feind. Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=fdneFmLn0SgIn „Star Trek: The Motion Picture“ nähert sich eine alles verschlingende Wolke der Erde. Das Forschungsschiff Enterprise wird ausgesandt, mehr über das Phänomen herauszufinden. Admiral Kirk (William Shatner), ihr ehemaliger Kommandant, nimmt wieder seinen alten Posten ein – sehr zum Ärger des dafür designierten Commander Deckers (Stephen Collins). In der Wolke finden sie eine lebende Maschine, die Informationen über das Universum sammelt und auf der Suche nach seinem Schöpfer ist, um sie ihm zu übermitteln. Und im Kern der Maschine steckt eine alte Erdensonde. Am Ende verschmilzt Decker mit der Maschine, so das sie eins mit ihrem Schöpfer werden kann und Wolke sowie Maschine verschwinden. Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=h5vK8hCVrFg
1979: Erforscht das Fremde!
Der Film von 1979 ist nicht gut. Quälend langsam schleppt er sich manchmal dahin, verirrt sich Nebenhandlungen und kokettiert viel zu sehr mit seiner eigenen visuellen Effekten: Kirks Shuttlelfug zur Enterprise wird zu einem vielminütigen Raumschiffporno, einmal fällt das Schiff vollkommen sinnlos und viel zu lange durch ein Wurmloch, Spock sitzt aus unerklärlichen Gründen in einer Wüste herum … All diese unnötigen, langen Szenen strengen so sehr an, dass man danach nicht mehr geneigt ist, sich an und für sich gute lange Szenen, wie die konzentrierte Zusammenarbeit beim Start des Schiffs oder der Flug durch den Designerorgasmus' der lebenden Maschine anzutun. Die Auflösung des Films (Mensch verschmilzt mit Maschine) ist dafür eher mal schnell übers Knie gebrochen, weil sonst kein Ausgang mehr aus der Geschichte zu finden war.Dennoch: Dieser Film ist der Kern von „Star Trek“. Alles vernichtende Wolke im Anmarsch? Wir schicken ein (in Zahlen: 1) Forschungsschiff, um mit ihr zu reden. Welcher Film hätte heute den Mut zu soviel Hippi-Optimismus? Das Fremde ist keine Bedrohung, es ist nur noch nicht verstanden. Traut sich das irgendwer? Der Film ist Science Fiction. Science Fiction ist das Genre, in der man durchspielen kann, wie Menschen leben können, welche anderen Arten von Leben, Denken und Fühlen es geben kann, wie sich eine Gesellschaft entwickeln kann.
2009: Verteidigt das Vertraute!
Der Film von 2009 ist nett. Er ist dann lustig, wenn er lustig sein möchte (was nur einem einzigen „Star Trek“-Film davor je gelungen ist). Er bringt gute Action. Er hat einfache, verständliche Figuren – vom jedem weiblichen Hintern nachstarrenden Kirk, dem immer streng blickenden Spock bis zum auch noch grünlich geschminkten Bösewicht. Abgesehen von ein paar merkwürdigen Füllseln (die sich gegenseitig jagenden Eismonster auf dem Eismond beispielsweise) verschleppt er nichts, sondern läuft im gutem, die Adrenalinproduktion anregendem Tempo. Er ist auch unheimlich doof: Da hat jemand eine Substanz, die ein Schwarzes Loch erzeugen kann, das ganze Supernovae verschlingen könnte. Was macht er? Er bohrt erst mal ein Loch in den Planeten, um dort die Substanz hineinzugeben. Warum? Wegen der Symmetrie? Nun ja, es ist offenbar ein höfliches Schwarzes Loch, das ein paar Anstandsbrocken auf seinem Teller übriglässt, saugt es zwar den Planeten ein, lässt aber die Raumschiffe in dessen Orbit in Ruhe. Die Figuren sind so einfach, dass sie nur wegen der Spielfreude der Schauspieler nicht zu Pappaufstellern werden. Und über den Missbrauch des Linseneffekts könnte J.J. Abrams so langsam mal ein Buch schreiben.Der Science Fiction in „Star Trek“ (2009) beschränkt sich darauf, dass es Raumschiffe gibt. Die Geschichte könnte auch im Jetzt spielen. Da müsste der rachsüchtige Fiesling dann vielleicht auch nur einzelne Städte hochjagen. Wie wär's mit jemanden, dessen Land durch Atomtests verstrahlt wurde: Zuerst jagt er Wien, Sitz der IAEA hoch, dann hat er es auf New York, Sitz der UNO abgesehen. Zur Strecke bringen ihn zwei ungleiche Cops. Oder Blauhelme. Oder Pfadfinder. „Star Trek“ ist kein Zug zu den Sternen mehr, denn die Sterneflotte ist nicht länger Forschungsorganistaion, sondern eine „Peacekeeping Fleet“. Das Fremde lockt also nicht mehr, stattdessen muss das Vetraute verteidigt werden. Ich habe mich gut unterhalten, aber ich fand auch „Indiana Jones 4“ witzig. Doof, aber witzig und mit viel Elan gemacht. Ähnlich ist es mit „Star Trek“: Netter Streifen, aber kein besonders guter Film und definitiv kein interessanter, kein guter Science Fiction.
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