Colin Farrell, Christopher Walken, Tom Waits, Sam Rockwell und Woody Harrelson! Allein, weil ich so diese Leute in einem Satz nennen kann, muss ich über "Seven Psychopaths" schreiben. Das Problem: Seit ich ihn vor ein paar Wochen in der Sneak gesehen habe (am 6. Dezember ist er bei uns regulär angelaufen, also wahrscheinlich zwei Wochen vorher), weiß ich nicht, ob er mir gefallen hat oder nicht.
Der Trailer lügt schon mal. Frauen spielen bei den Psychos kaum eine Rolle und die beiden in die Liste der sieben aufzunehmen, ist Blödfug. Mit dem gleichen Recht hätte man Michael Stuhlbarg als Nummer acht aufführen können: Er hat am Anfang eine kleine Szene und tritt dann final ab. Er spielt einen einfachen Mafia-Auftragskiller, der sich philosophisch mit einem Kollegen unterhält. Beide Vollprofis bemerken aber nicht, dass ein weiterer Killer von hinten an sie heranschlendert. Er ist „Jack of Diamonds“, ein Psycho, der es nur auf Gangster mit italo-amerikanischen Hintergrund abgesehen hat. Ihn baut Marty (Colin Farell) in sein verpfuschtes Drehbuch „Seven Psychopaths“ ein. Ja, es ist ein Film im Film, nur irgendwie ohne Film. Freund Billy (Sam Rockwell) unterstützt ihn mit weiteren Ideen: So organisiert er ein Psychopathencasting, zu dem dann allerdings nur Tom Waits erscheint - als Killer, der nur andere Killer killt (den Zodiac-Mörder hat er beispielsweise auf dem Gewissen) und ständig einen Hasen mit sich herumschleppt. Was gut zu Billy passt, denn der trägt seit einiger Zeit immer ein ein Schoßhündchen der Rasse Shi-Tzu (bitte „Schizo“ sprechen) auf dem Arm. Zusammen mit Hans (Christopher Walken) verdient er sein Geld mit dem Klauen und Zurückbringen von Hunden. Der Shi-Tzu gehört aber einem echten Shizo, dem instabilen Mafioso Charlie (Woody Harrelson), dessen Männer die Ziele des Jack of Diamonds sind. Also: die Drei fliehen vor ihm in die Wüste und unterhalten sich, wie die Geschichte nun enden könnte (einfach nur redend davonfahren geht nicht, meint Billy, es sei schließlich kein französischer Film). In der Wüste löst sich die Grenze zwischen dem Film und dem Film im Film noch weiter auf.
Und hier liegt das Problem: Irgendwann kümmern mich die Figuren nicht mehr. Christopher Walken hält sein tolles, im Alter noch zerknautschteres Gesicht in die Kamera, Sam Rockwell spielt sich als verzweifelter Straight Man einen Wolf, Colin Farrell hält sich diszipliniert zurück und alle spielen sie tolle einzelne Sketche. Doch: Wenn alles, was passiert sich am Ende als verworfene Drehbuchidee oder gar als Traum herausstellen könnte, dann verlieren wir den Kontakt zu den Figuren. Dann wird alles beliebig. Walkens Figur stellt sich sogar mal die Frage, warum die „Alles ist ein Traum“-Masche als unfein gilt, wo wir doch alle träumen müssen. Meine Antwort: Weil sie meist eine Ausflucht von Filmemachern ist, die sich in eine Ecke geschrieben haben oder die nicht die Eier haben, ein wirklich kontroverses Ende durchzuziehen. Bei den Psychos vermute ich eher ersteres: „Hilfe, ich habe eine gute Idee, aber ich komme aus ihr nicht mehr raus! Was mache ich? Ich verfilme, das Nicht-Mehr-Rauskommen, lade das mit cleveren Querverweisen auf andere Filme auf und habe dann nicht etwa ein verpfuschtes Buch, sondern eine Meta-Betrachtung auf ein Filmgenre.“ Im Fall von „Seven Psychopaths“ war's dann doch eher eine Sketchsammlung. Keine schlechte, wirklich nicht! Es ist einfach nur ein bisschen zuviel Meta dran an der Konstruktion, als hätte man versucht, Risse und Fugen damit zu überdecken, anstatt ein festes Fundament zu bauen.
Aber einen wirklich genialen Dialog muss ich noch aufschreiben:
Gangster: Put your hands up!
Hans: No.
Gangster: But I've got a gun!
Hans: I don't care.
Gangster: But that doesn't make any sense!
Hans: Too bad.
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