So schlecht, es war schon wieder amüsant
„Zum Geburtstag“ stammt angeblich vom französischen Filmregisseur Denis Dercourt, der sich halt nicht besonders gut mit Deutsch auskennt, sich es aber trotzdem zutraute, ein Buch in dieser Sprache zu schreiben und seine Schauspieler darin zu dirigieren. Das glaube ich aber nicht. „Zum Geburtstag“ stammt von Außerirdischen. Sie haben unseren Planeten entdeckt, kamen etwas durcheinander und halten bedrucktes Celluloid für unsere Haupkommunikationsmedium. Sie versuchen nun, mit uns Kontakt aufzunehmen. Doch anstatt ihre Zelluloid-Rollen zu lesen, stecken wir sie in Filmprojektoren. Auf dem abgespielt entstehen mehr oder weniger zusammenhängende Bild- und definitiv weniger als mehr zusammenhänge Dialogfolgen. „Zum Geburtstag“ hat dabei durchaus Unterhaltungswert: Das Publikum in der Sneak Preview kicherte, lachte, johlte und spendete an manchen Stellen sogar spontan Applaus. Schade nur, dass der Film – wenn er denn wirklich einer sein sollte – ein ernstes Melodram sein möchte.Eine Art bürgerliches Trauerspiel sieht beispielsweise Rüdiger Suchsland in „Zum Geburstag“. Die Geschichte eines Mannes, den Schuldgefühle so umtreiben, dass er Rachekomplotte von allen Seiten fürchtet, nur nicht von der, aus der sie dann kommen. Paul hat vor Jahren seinen Schulkumpel Georg mit einem gefälschten Liebesbrief dazu gebracht, seine Freundin sitzen zu lassen und mit einer anderen, zufällig ausgewählten abzubrausen. Georg stellte nur eine Bedingung: Er möchte die alte Freundin zurückbekommen können, sollte er je wollen. Nun sind also die Jahre ins Land gegangen, beide sind erfolgreiche Investmentbanker und mit den jeweiligen Freundinnen verheiratet. Will Georg (Sylvester Groth), als er Pauls (Mark Waschke) Vorgesetzter wird, seine alte Flamme zurück?
Lange Pausen, starre Blicke, tote Worte
Etwas konstruiert wirkt die Grundlage der Geschichte also von Anfang an. Der Vergleich mit dem bürgerlichen Trauerspiel ist dabei nicht schlecht, denn in filminkompatibler Theatertradition wird sie umgesetzt: Die Figuren starren lange und länger in die Leere – was den großäuigen Sylvester Groth oft mehr wie einen toten Fisch als wie eine Bedrohung wirken lässt – sie sprechen klar, wohlartikuliert und mit vielen Pausen. So: Jetzt sind wir also endlich wieder bei der Sprache. In „Zum Geburtstag“ stimmt einfach nichts. Pausen sind an der falschen Stelle, völlig unwichtige Wörter werden betont, wichtige dafür nicht, und emotionale Färbungen gibt es nur zwei: Gleichgültigkeit und verzweifelte Wut. Jede Figur spricht im genau gleichen, gestelzten Duktus – egal, ob als Teenager in der DDR der 80er, als Teeneager „in einem anderen Teil Deutschlands“ (so lässt uns eine Titelkarte hilfreich wissen) der Jetztzeit oder als Erwachsener, egal ob Boss oder Sekretärin.Bei „Zum Geburtstag“ kommt halt alles zusammen, wenn ein Autor die Sprache theoretisch kann, sie aber nicht lebt. Nicht nur angeblich französischen und möglicherweise außerirdischen Autoren geht das so, sondern leider auch eine Menge deutscher. Wie oft schleppen – gerade im Fernsehfilm – die Schauspieler schwer an der Eisenkugel ihrer Dialoge! Wie selten trifft ein Autor oder ein Schauspieler mal ein Millieu! Überhaupt: Millieu. Wir scheinen geradezu panische Angst vor Dialekten zu haben. Wir haben die komische Figur des Bayernseppels oder Kanzleisächslers, doch selten wird die regionale Spracheinfärbung Teil der Figurenzeichnung. Im Wiener Volkstheater des 19. Jahrhunderts standen Anweisungen in den Büchern, wie „spricht mit Einschlag des Umfelds der Stadt X“. Wir hätten damit folgende Probleme: Wir hätten nicht die Schauspieler, das umzusetzen und nicht das Publikum, das zu hören. Dennoch: Dass in einem Film, der zu verschiedenen Zeiten ind verschiedenen Regionen und mit Figuren aus unterschiedlichen Schichten spielt, alle gleich sprechen, ist einfach lächerlich.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen