Dienstag, 7. Mai 2013

Ray Harryhausen, Vater der tanzenden Skelette, ist tot

Habt ihr euch mal an Stop-Motion-Animation rangewagt? Also eine Kamera aufgestellt, ein Objekt davor, ein Foto gemacht, das Objekt ein bisschen bewegt, noch ein Foto gemacht und dann gegen das Objekt gestoßen und alles ruiniert? Ob ja oder nein: Stop-Motion-Animation ist schwer. Einer ihrer Pioniere war Ray Harryhausen. Mit 92 Jahren ist er am 7. Mai gestorben. Hier ist ein Ausschnitt aus einem Film, an dem er gearbeitet hat. Fünfzig Jahre ist der Ausschnitt alt. Anschauen und Kinnlade festhalten.



Skelette und Saurier im Wohnzimmer

Drei Monate dauerte es damals, diese Szene zu bauen. Sie kombiniert Live-Action mit Stop-Motion und funktioniert immer noch. Also im Prinzip. Natürlich sind wir Bombastischeres gewohnt, aber der Kern funktioniert: Die anfangs so stillen Skelette, ihr Gleichschritt und dann der Angriff zu hohem Kreischen ... Schnell ein Sofa her, damit ich mich dahinter verstecken kann!

Mit 13 Jahren, so will es die Fama, sah Ray Harryhausen den Film "King Kong" und setzte sich in den Kopf, selbst Monster animieren zu wollen (besonders Saurier, welcher Junge könnte ihm das verdenken). Und wo andere aufgeben, wenn sie realisieren, dass sie sehr sehr sehr sehr oft auf den Auslöser ihrer Kamera drücken müssen, sehr sehr sehr sehr oft das Objekt bewegen und dabei nie nie nie nie dagegen stoßen dürfen, hatte er zwei Jahre später seine ersten Filme fürs Heimkino. Auf Youtube konnte er sie ja nicht verteilen. Ein Freund sorgte für ein Treffen mit dem Animator des Riesenaffen, doch der war nicht besonders begeistert von Harryhausens Modellen. Was machte der Junge? Er perfektionierte sie.

Release the Kraken!

Ich finde es schwer zu beschreiben, was seine Arbeiten so auszeichnete. "Perfektionismus" klingt so kalt nach Versuchsreihen und Technik. "Besessenheit" zu sehr nach "Muhahaha!". Es muss wohl eine sehr ruhige, nach innen gekehrte Besessenheit gewesen sein und mit Liebe gepaarter Perfektionismus, die seinen Geschöpfen mehr gab, als nur Bewegung. Sehe wir uns mal die Dramaturgie in "Clash of the Titans" von 1981 an: Erst sehen wir Teile des Viehs unter Wasser, besonders seinen langen Schwanz. Beunruhigte Leute an der Oberfläche. Dann die ersten Gliedmaßen über Wasser - und oh Schreck: Es sind mehr als zwei Arme, nämlich ihrer drei. Dann erhebt sich der Kopf aus den Wogen. Der Kopf ist vage menschlich und tierisch, genau in der Mitte des "Uncanny Valley", in dem ein Gesicht unheimlich wird. Und was fehlt noch? Klar: Das Brüllen.

29 Jahre später: "Clash of the Titans" 2010: Gliedmaßen unter Wasser, Panik an Land. Drei Fangarme schießen aus dem Wasser in Luft. Der Kopf. Das Brüllen. Natürlich viel bombastischer und im Detail besser als im Original: Das Monster aus der Tiefe ist nun auch wirklich nass. Schlagen die Arme irgendwo drauf, fliegen die Splitter und Trümmer wirklich weg. All das ging damals nicht. Die grundlegende Dramaturgie: Teile unter Wasser, Menschen, Teile über Wasser, Kopf, Brüllen, ganzes Vieh ist gleich geblieben. Warum? Weil sie heute genauso perfekt ist wie damals. Man kann an ihr nichts ändern. Selbst der Kopf wurde nur ein wenig poliert. Achja eins noch: Die Parodie von "Robot Chicken".

Eine Inspiration für viele

Steven Spielberg, John Landis, Tim Burton, Peter Jackson, James Cameron ... so ziemlich jeder große Regisseur hat schon mal ein Loblied auf Ray Harryhausens angestimmt. Peter Jackson sagte in einem Interview mal, dass es ohne Harryhausen keinen "Hernn der Ringe"-Film gegeben hätte. Seine Monster haben gleich mehrere Generationen von Filmemachern inspiriert. Play him of, Danny:




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