Freitag, 30. August 2013

Wer darf Batman spielen?

Charlton Heston als Moses! Wie kann man die Rolle eines der großen biblischen Propheten mit einem unerfahrenen Schauspieler besetzen, der zuvor lediglich als Zirkusdirektor in „Die größte Schau der Welt“ aufgefallen war. Der Regisseur nahm ihn offenbar auch wegen seiner physischen Ähnlichkeit zur Moses-Statue von Michelangelo – aber Michelangelos Moses-Interpretation ist doch wohl kaum allgemein anerkannter Kanon! Und damit zu einer noch viel wichtigeren quasi-biblischen Figur und einer ebenfalls kontroversen Casting-Entscheidung: Ben Affleck als Batman.





Holy Gigli, Batman!

In dem Fantrailer sieht das gar nicht so schlimm aus. Ich mag vor allem Jeremy Irons als Alfred, schließlich wird es Zeit, dass der Junge mal wieder eine gute Rolle bekommt. Der Elefant im Raum stammt aber aus Boston und heißt Ben Affleck. Die Reaktionen im Netz hätten kaum bestürzter sein können, wäre er als der nächste Doctor in „Doctor Who“ angekündigt worden: Bilder von Ben Affleck in Adam Wests Kostüm, zig andere Schauspiele in Christian Bales Kostüm und eine Flut mehr oder weniger gewitzter Mashups waren die Folge. Nebenbei: Gibt es schon ein Mashup von Peter Capaldi als Batman?

Ben Affleck als Batman, die Entscheidung erntet mehr Diskussionnen als die, Daniel „I drink your milkshake“ Day-Lewis als Abraham Lincoln (oder Benjamin Walker als Vampirjäger Abraham Lincoln) zu besetzen – dazu gab es schließlich gar keine Kritik, da wartete man ab, wie er die Rolle interpretieren würde. Präsidenten sind allerdings nicht so wichtig wie Superhelden. Erstere existieren tatsächlich da draußen, letztere aber leben in unserer Welt da drinnen. Verfehlt ein Schauspieler unser inneres Bild der Helden und schafft es nicht, ein mindestens gleichwertiges anzubieten, dann sind wir verletzt. Also holen wir besser vorher die Mistgabeln und die Fackeln heraus und jagen diesen Fremden, diesen Benjamin Geza Affleck aus der Stadt!

Good Ben Affleck

Ben Affleck also … Was lässt sich zu Ben Affleck sagen? Er ist wohl ganz in Ordnung: Er hat zwei Oscars für seine Drehbücher im Regal. Als Schauspieler hat er gute („Good Will Hunting“) und schlechte („Pearl Harbor“) Rollen und eine entsetzliche („Gigli“) auf dem Konto. Die schlechten Rollen im Grunde alle in Filmen mit schlechten Büchern. Dann ist da das „Daredevil“-Problem: Affleck spielte schon mal einen Superhelden – und er spielte ihn nicht gut. Jedoch: Der Superheld Daredevil selbst ist eine schwierige Figur und dazu war das Buch mal wieder Käse. Superman hat er übrigens auch mal gespielt, beziehungsweise einen Schauspieler, der Superman spielte. In „Hollywoodland - Die Hollywood Verschwörung“ porträtierte er George Reeves. Wenn sich also jemand mit Superheldenfilmen auskennt – wie man sie nicht macht und wie man sie machen könnte – dann doch wohl er. Was kann man ihm also anlasten, außer, dass er zwar gute Bücher schreibt, aber als Schauspieler offenbar schlechte Bücher nicht erkennt?

Ein Zwitterwesen

Batman ist eine merkwürdiger Heros: Sein Symbol ist das eines Tieres, das in der christlichen Tradition für die Laster stand – Neid, Ehrabschneidung, Unzucht – gegen die er sich einsetzt. Batman, der so finster wirkende Typ steht für konservative Werte, für Besitzstandwahrung, Ordnungsliebe und sexuelle Enthaltsamkeit. Wie die Fledermaus, die dem Boden und der Luft zugerechnet wird (darum die ganzen mythologischen Konnotationen) ist Batman ein Zwitterwesen. Ein Wesen der Dunkelheit, das lichte Tugenden vertritt. Ein bisschen Finsternis in sich zu haben, das ist doch als Teenager ein tolles Gefühl („ich bin gefährlich, wenn man mich reizt“) – doch mit dieser Finsternis tut man Gutes, wenn man vielleicht auch dafür manchmal geächtet wird. Klar: So jemand bin ich doch auch gern. Ist es nicht schön, wie herrlich verkorkst wir sind?

Wie kann man also Batman spielen? Falsche Frage: Interessant ist, wie ein Schauspieler Bruce Wayne spielt. Der Mensch, der mehrere Masken hat: Das offizielle Image, das nicht zu seiner wahren Natur passt (je nach Interpretation ist er ein nutzloser Playboy oder ein harmloser Wohltäter) und die Superhelden-Identität. Christian Bale spielte ihn als getriebenen mit immer hungrigen Augen, der seine gewalttätigen Triebe als Batman positiv abführen konnte. Michael Keaton (dem man die Rolle übrigens auch nicht zutraute) als einen ständig Suchenden, der Gewalt eher als Mittel zum Zweck sah. Adam West … ist eine andere Geschichte. Bei den Filmen mit Val Kilmer und George Clooney schienen schon die Drehbücher und die Regie sich nicht wirklich entscheiden zu können, was Batman und Bruce Wayne denn nun sein sollten. Jedenfalls: Christian Bales Grummel-Batman ist nicht der einzig mögliche.
 

Batman braucht Präsenz

Bruce Wayne ist jemand, der im Hintergrund stehend uns Zuschauern auffällt. Das dürfte ein Problem bei Ben Affleck ergeben, denn er spielt zumindest in letzter Zeit sehr in sich gekehrt. Bei „Argo“ zum Beispiel vergrübelt sich seine Figur manchmal ganz in den Hintergrund. Bei anderen Filmen geht es zumindest mir oft so, dass ich überlege und dann sage: „Ach ja, das war der mit Ben Affleck.“ Wer Batman und Bruce Wayne spielen will, darf eigentlich nicht besonders viel spielen, denn schließlich sind wir es, die die Superhelden-Figur mit unseren Vorstellungen ausfüllen. Er muss aber die Präsenz haben, dass unsere Vorstellungen auf sie gelenkt werden. Was nun die Physis betrifft: Im geplanten Film soll Batman auf Superman treffen, also auf einen Typen, der Häuser wegboxen kann. Muckis werden da eh nicht helfen. Einen älteren Bruce Wayne, der mehr mit Menschenkenntnis und detektivischen Können arbeitet (Batman galt auch mal als „The Great Detective“, als einem Sherlock Holmes ebenbürtig), könnte dabei funktionieren. Leicht wird’s aber nicht. Als Held hat man es eben schwer. Aber Chancen können wir ihm schon zugestehen.

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